Kein Ausdruck ist ohne Eindruck

Das gegenstandsfreie ideosensorische Empfinden

Der von William Carpenter erkannte ideodynamische Ausdruck unbewusster Effekte des zerebralen Es ist meinen Erfahrungen nach mit ebenso unbewussten ideosensorischen Empfindungen verbun-den. Das ist wie bei einer Handschrift, deren Ausdruck zugleich ein Eindruck ist. Dieser Vergleich ist aber nur dann passend, wenn man den Inhaltsaspekt des geschriebenen Textes von der gegenstands-freien Ausdruckshandlung abstrahiert; dann verlagert sich die Wahrnehmung der Worte, des inhalt-lich Gedachten auf das wahrnehmende Empfinden, dessen man sich zwar selten bewusst, dessen Wir-kung jedoch evident ist. Ausdruck und Eindruck, Wahrnehmung und Empfinden sind instantane Phä-nomene des intrazerebralen Ich, über dessen Ausdruckshandlungen sich Effekte des zerebralen Es vermitteln (Bild 80).


Bild 83

Wenn die Ideodynamik ein expressiver Effekt des zerebralen Es ist, dann kann das Empfinden des sensorisch wahrgenommenen als dessen impressives Pendant gelten. Ideodynamik und Ideosensorik bilden eine Rückkoppelungsschleife (Bild 81) durch die das intrazerebrale Ich unter gewissen Voraus-setzungen in einen hypnoiden Zustandsraum geführt werden kann, wie es beim Malen meiner gegen-standsfreien Rollbilder der vierten Dimension der Fall war.

Bild 84

Weil ich mich in einem hypnoiden Zustandsraum befunden habe, hatte sich das visuell und kinästhe-tisch wahrgenommene auf den ideodynamischen Prozess der Ausdruckshandlung ausgewirkt. Es gibt einen Zustandsraum, in dem die im Normalzustand vom intrazerebralen Ich generierte Grenze, die das Innere vom Äußeren zu trennen scheint, permissiv verändert ist, sodass sich die Empfindungen beim vermeintlich extrazerebral wahrgenommenen, in einem Zustand der Verschmelzung von Aus-druck und Eindruck, von innen und außen befinden. Weil dieser ungewöhnliche Zusammenhang für das Verständnis der Rollbilder wichtig ist, fasse ich das Wesentliche zusammen: Beim gegenstands-freien Zeichnen können sich die intrazerebralen Effekte der drei Prinzipien in den drei Dimensionen ideodynamisch auswirken. Ein solcher Ausdruck korrespondiert mit einem Eindruck, dessen unbe-wusste Empfindungen, die das ideodynamische Zeichnen modellierend beeinflussen. Diese Rückkop-pelung von Ausdruck und Eindruck hat auf die gegenstandsfreie Gestaltbildung von Ausdruckslinien eine strukturierende oder destruierende Wirkung. Je aufmerksamer und permissiver die ideosenso-rischen Empfindungen wahrgenommen werden, umso differenzierter und kohärenter überträgt sich das Wahrgenommene in das Beziehungsgefüge des Bildes und modelliert dessen Gestalt (Bild 82).


Bild 85

Kapitel-Verzeichnis