Stellen Sie sich vor, dass Sie aus den Gedanken von Kasimir Malewitsch, Georges Gurdjieff, Wassily Kandinsky, P. D. Ouspensky, Erwin Schrödinger, Wolfgang Pauli, Arthur Schopenhauer, Nagarjuna, Charles Howard Hinton und anderen eine mentale Collage bilden. Entweder blicken Sie dann auf ein bedeutungsloses Durcheinander oder bekommen etwas zu sehen, das Ihnen etwas sagt, weil es ein-leuchtend ist und etwas zeigt, das Sie vorher nicht gesehen haben obwohl es offensichtlich ist. Gerin-ger war und ist mein Anspruch nicht.
In diesem Buch vermittle ich eine psychedelische Philosophie, die sich auf meine gegenstandsfrei ge-schaffenen Rollbilder aus den Jahren 1964 bis 1997 bezieht. Dies ist eine Weiterführung und Weiter-entwicklung der geistigen Aspekte einer vierten Dimension und eine Auflösung der unnötigen Spal-tung von Geist und Materie, Ich und Gehirn, Wissenschaft und Kunst.
Seit ich denken kann beschäftigt mich die Frage wer ich bin, welchen Sinn und Bedeutung mein Leben in dieser Welt haben könnte. Religion, Philosophie und Wissenschaft haben mich auf Umwegen hier-hin und dorthin geführt, ohne dass ich zu sehen vermochte, was ich wissen wollte. Schließlich er-kannte ich, dass Wissen und Sehen, zwei grundverschiedene Zugänge zur Wirklichkeit sind und es wurde mir bewusst, dass nur ein Weg nach innen zum Sehen dessen führen würde, was ich erkennen wollte. Aber wo ist innen, wenn meine Existenz ein physisches außerhalb in der ebenso physischen Welt ist? Wie kann es sein, dass ich denke, fühlen und träumen kann, wenn sich die Atome der Moleküle meines Gehirns nicht von denen einer Gans oder von Schlangengift unterscheiden? Nicht selten hatte ich von mir selbst den Eindruck verrückt zu sein, denn ich kannte niemanden, den solche Fragen auch bewegt hätten. Außer die Toten, bei denen ich viele Lehrer und Freunde habe.
Denken und Wissen hängen zusammen. Sehen und Handeln auch. Eine Handlung, die es mir schließ-lich ermöglichte sehen zu können, was ich sehen sollte, weil etwas in mir es wohl so wollte, war das ge-genstandsfreie Zeichnen in einem hypnoiden Zustand des Bewusstseins. Dieser Weg des schöpfe-rischen Handelns ermöglichte mir Einsichten in ein Verständnis des Menschen, des Gehirns und der Welt, die mir zeigten, wie obsolet die Spaltung in Materie und Geist ist. Es gibt keine Trennung des Geistigen und Psychischen vom Physischen. Die physische Welt und alle ihre Objekte, sowie die Handlungen in dieser Welt sind nicht nur physisch, sondern auch psychisch und geistig. Wobei – das scheint mir das Entscheidende und Wesentliche zu sein – Psychisches und Geistiges nicht vom Physi-schen hergeleitet zu denken ist, sondern als eine instantane Einheit von drei Dimensionen zu verste-hen wäre. Davon gehe ich aus.
Eines Tages wurde mir bewusst, dass es eine Metaphysik der Kunst geben müsste, wenn man unter-stellt, dass im Universum alle Phänomene aufeinander bezogen sind und sich von denselben Prinzipi-en her entfalten. Wenn es also eine gegenstandsfreie Quantenphysik hinter den Objekten der ge-genständlich physischen Welt gibt und sich die sogenannte Realität in Felder auflöst, dann könnte dies prinzipiell auch für gegenstandsfreie Bilder gelten. Wenn es mathematischer Sätze bedarf, um das unsichtbar Wirkende im physisch Sichtbaren zu beschreiben, dann schien mir auch die Analogie zu einer Mathematik des Empfindens bei gegenstandsfreien Bildern naheliegend zu sein.
Ein intuitives Handeln hatte mich schließlich über das gegenstandsfreie Zeichnen hinaus zum Malen von Rollbildern der vierten Dimension geführt, deren Ausdrucksprozesse als eine Weiterführung der Ideen der russischen Avantgardekünstler Kasimir Malewitsch, Wassily Kandinsky, des Metaphysi-kers und Philosophen Charles Howard Hinton und anderen verstanden werden kann. Anders als bei Albert Einstein, der die Zeit als eine vierte Dimension in die Geometrie des dreidimensionalen Rau-mes eingeführt hatte, wurde in der Kunst die Idee einer vierten Dimension als eine geistige Erweite-rung der Raumgrenzen aufgefasst und zum Ausdruck gebracht. Meinen Erfahrungen zufolge ist Raum ein zentrifugales Ausdehnen und zentripetales Zusammenziehen. Das heißt es gibt kein im Raum sein, sondern ein dynamisches sich verräumlichen. Dies wahrzunehmen, wäre eine Erfahrung der vierten Dimension. Das Malen gegenstandsfreien Entitäten in meinen Rollbildern hatte mich ohne es zu wol-len oder zu wissen in diesen Zustand geführt. Über die metaphysischen, psychischen und geistigen Hintergründe und Zusammenhänge soll dieses Buch Aufschluss geben.
Ich habe mich gefragt: Wie kann ich mir dessen sicher sein, dass ich mich in dem, was ich sehe und schreibe, nicht täusche? Sich dem, was man sieht, gewiss zu sein ist nicht zu beweisen. Es geht mir des-halb auch nicht um eine sogenannte Objektivität ohne das Subjektive, sondern im Gegenteil um eine Objektivität des Subjektiven. Keine Botschaft eines gegenstandsfreien Bildes lässt sich beweisen. Das ist kein Defizit. Auch Elektronen und Photonen sind bisher von niemandem gesehen worden. Deren Beweis ist die Beobachtung von Wirkungen im interaktiven Kontext der Beziehungen zwischen beob-achtbaren Erscheinungen. Ob man von einem gegenstandsfreien Bild bewirkt wird oder nicht, hängt davon ab, ob man schläft oder wach ist. Das nicht denkbare Andere zu sehen, das wirklich ist, obwohl man es nicht denken kann, ist eine Kunst.