Dieser Text wurde 1970 in psychedelischer Kontemplation empfangen. Für die vorliegende Erstveröf-fentlichung habe ich ihn stilistisch überarbeitet ohne ihn dabei in seiner Sprachgestalt und Wirkung zu verändern. © Otto Hanus, München 2023


Die Botschaft


Das Leuchten der weißen Flügel ist erloschen. Entschleiere den in kosmischen Staub gehüllten Leib, auf dass er sich lodernd ausbrenne, sich heiligt und würdig macht für den Tod. Denn ich ha-be die digitalen Schritte verlernt und tanze in epileptischen Kreisen des Wissens nach Sphären-klängen turbulenter Quantenwirbel. Reiße mich heraus aus den ouroborischen Labyrinthen, damit ich den Altar des gnostischen Wesens erkenne und den Tabernakel des Alls zu öffnen vermag. Der Hades leuchtet mir diademisch. In seinem Licht wurde mein Seelenleib zur Gänze mit saturnischen Nadeln tätowiert und heilige Trigone wie Schattensamen in das mediale Fleisch meines astralen Wesens gestochen. Über mir, unter mir, neben mir, hinter mir, und aus-ser mir dehnt sich der zeitlose Äon des alleinsamen Nun. Und manchmal kämpft mein erlö-schendes Sein gegen den Sog zersetzender Auflösung neptunischer Gase, und alte Seelenfet-zen flattern am nekrophilen Kreuzholz in Lebensstürmen. Dann tanze ich als Stier der Nacht einen Totentanz inmitten von Klängen tibetischer Tempeloboen. Ein saphirblaues Stirnauge strahlt zwischen seinen muschelweißen Mondhörnern in die galaktische Finsternis, und sein Schweif peitscht den interstellaren Quantenstaub zu Energiefeldern blanken Lichts. Gedanken gödeln ihres Standortes beraubt in den Möbiusschluchten paradoxer Labyrinthe, und der Engel vom westlichen Fenster spiegelt sich im blanken Schwert zum halluzinogenen Zerrbild einer archetypischen Fratze.

In modrigen Seelenschwaden, aufgelöst, dämmerungsdunkel und im Zwielicht des Zweifels verquält, aufgebraucht, im hektischen Oszillieren unbeantworteter Fragen nach dem Sein gibt es wenig des Klaren, des Trüben viel. Gedanken gleiten träge in Strömen zerebraler Dünste, in die Verklärung sinnentleerter Weite kataleptischer Gefälligkeiten. Im Taumel schwülträger Trü-be vermag niemand das Lot der verlorenen Mitte zu finden. Du, von Gravitationen unzählbarer Zeiten verquälter Leib, atomschwirrendes Feld, eines von Lichtquanten gewobenen Nichts: Lö-se das reziproke Rätsel säumiger Schulden des Lebens im Angesicht dessen, das sich unbeküm-mert der Äonen luzider Träume ein Recht nimmt. Das Recht der Rache auf alles, was nicht Dein ist, weil es in der Unteilbarkeit verflochten mit allem und jedem, auch meines ist. 

Lebst Du inmitten verzerrter Fratzen verbotener Wesen am Rand von Gründen, die, ein Raunen von sich gebend, im Schwerelosen abgründiger Höhen versinken? Kennst Du den Ort splitternder Möglichkeiten nicht berechneter Lebendigkeit, die Stunde, jener nimmerkehren-den Eintracht, die ist, auch wenn Du die Magd der Gewohnheit nicht kennst? Erwarte sie nicht. Sie kommt, die Mutter der schwarzen Wolken! Lasse sie Dich verachten und zürne ihr nicht, wenn sie, gemästet mit unzähligen Leichen, als schwarzglänzend triefendes Wesen vorüber-zieht und Dich der Hauch von Verwesung berührt. Erkenne die Axiome. Erschauere. Am Stam-meln Deiner hilflosen Worte zerbricht der gallbittere Mut gleißender Gefühle. Fliehe nicht!

Verweile nasskalt an der klammen Stätte blutleeren Wirkens, in der weltverlorenen Spal-tung des Jetzt. Und im rasenden Jammer leer gefegten Glaubens wird sich das Ende ehemals wirksamer Früchte, in zum Gären herangereifter Summen aller Taten, in Blut quellenden Strö-men entfalten, die sich selbst gebärend, umstülpend, schlüpfrig und sich selbst entgleitend, im hohlen Echo ihrer Schreie wiederfinden. Weltenwesen wabern am Rande und keuchen ihr Letz-tes an Sinn in etwas, das einst ihre Heimat war. Lasst uns alchymische Tropfen blanker Erkennt-nis, in das gallig kieselsaure Gelächter aller knirschenden Fratzen werfen, die, Myriaden Schwä-rmen gleich, die Welten bevölkern und Unflat versehrtes Gespei sind. Rauschdunstige Winde aus Därmen knotenverschlungener Wülste leibhaftiger Dummheit, was wollt ihr?

Erkenne die Bedrängnis der großen Bedrohung. Wollt ihr Euch am ätzenden Auflösen der verquollenen Masse triebgeblähter Phantasien erquicken? Oder heimlich zu lügenschleimigen Worten beten? Ihr atmet doch nur den Ekelbrodem einer pestilenten Mittagsstunde. Mahre verfolgen Dich. Sieh Dich nicht um! Fliehe  den allmählich sich zersetzenden Säften des Lebens aus Pferdemist purgierter Samen homonukluider Larven. Sie vermischen sich mit den Testiku-lum gepeitschten Gedanken des Wahnsinns aus den Abgründen entseelter Leidenschaften, und im Genuss geilen Foltergebarens allem und jedem enthoben, suizidiert sich die Seele. Im schmatzenden Seim verschlingt sie sich selbst und speit sich aus in der katatonen Nähe Eis-wüsten gedehnter Gefühle.

Erst wenn der zellulare Fusel ins Grenzenlose verdampft und im Sengenden des Unbeding-ten auflösend verdunstet, hebst Du an zu sein in dem, was Du warst, ehe Dein Erscheinen ge-schah. Fürchte Dich nicht. Zerfasert werden alle aufgeblähten Kadaver kranker Vernunft bis auf die chromblanken Gebeine sein. Suche die klaren, strahlenglanzreinen Hymnen der Allmacht und schaue den tibetischen Totentanz der nuklearen Gerippe, die sich in den Festtagswirbel ga-laktischer Spiralen schleudern. Die schärfeklingende Sense schneidet Tode. Tode des Erster-bens Leben krallender Süchte, die in den Fetzen Schmutz starrender Narrenkonfektionen ra-benschwarze Schattentänze stolpern. In diesen Totentänzen der Herzen verwirklichen sie sich: die dämonenfratzigen Zuhälter sinnleerer Seelengebresten. Und Du willst Dich immer noch in die geblähten Abgründe uniformer Erkenntnis werfen? Die lefzengröhlende Schar einhellig Bei-sammener wird Dich im Klammergriff nie endender Betörung empfangen.

Sie mästen sich an Deiner Seelendunkelheit, die, Raureif gefrorenen Gefühlen gleich, sich selbst im Weg ist und nie Besinnung findet. Gehe zu den amorphen Geschwadern turbulenter Nichtigkeiten, im erloschenen Lumengewölbe. Dringe ein, in die mauerlosen Tempel safranmo-driger Stätten der Lügen! Wirf Blitze zuckende Keile in die Labsal fremden Kadaver! Zerschnei-de mit blendender Schärfe die Fratzen der Gebenedeiten der Welt, auf dass sie sich reinigen in den Strömen ihres Blutes. Übe Barmherzigkeit, denn die Schatten im Licht des Wahren sind nicht zu erkennen.

Welch ein Madenbewusstsein, das sich aufgebläht windend, in die Geister der Seelen ein-nistet, kein Woher und kein Wohin kennt, nur sich selbst Leben erhaltend weiter mästet, bis zum ablaichenden Übermaß einer Sättigung, die allverschlingend, zersetzend, penetrierend und ewig zellteilend weiter dunstet ohne Besinnung. Soll man die Blutquallen der Herzen sich ent-falten lassen, die sich unaufhörlich und keine Grenzen kennend, noch erfahrend, weiter schwemmen bis ins Innerste des Seins, allem Einhalt mangelnd, weil nur sich selbst genügend? Gifttangig umhülltes Ekelgewürm, sich seit Äonen windend, welche Einsichtsferne oder Ein-sichtsnähe kündet es aus sich selbst und für wen? Siehst und erkennst Du den Sinn dieser, stickigen Brodem speienden Kadaver, die sich Dir, mit unaufhaltsamer Fäulnis, in die sphärische Existenz Deines Wesens drängen?

Wie kannst Du die zellzersetzende, nervenvergiftende, seelenzerfasernde den Geist schwärende Wirklichkeit jener Menschen fernen, Dämonen verseuchten Wurmbrut ertragen? Der Zeitgeist schwelt sich hinein, in die prall gefüllten Myriaden reduplizierten Kreaturen. Er dringt ein in die spastischen Nervensysteme zerebraler Existenzen, in jene neurozerbomten Hemisphären ohne Mitte und Maß. Im auseinander tobenden ribonuklein säuregesättigten All wird das brüllende Wehklagen bis an die Grenzen seines unendlichen Zeitseins, die Gegenwart zersplittern. Gelbfahle Totentänzer werden sich im blanken Spiegel quantenzerstörter Leere entgegen grinsen, sie werden von der Läuterung und Häutung des Wahren träumen und auch der Letzte aller Schläfer wird sich albtraumpsychotisch zurück ins Fötale krümmen.

Aber der Uterus ist keine bergende Heimat mehr. Die strahlenverseuchte, Leben bergende Höhle stößt Dich von sich, hinein in die Wundbrand potenzierten Gebiete der feindseligen Hirne ohne Blick. Trommelfell zerreißende Stürme und Bluthagel peitschende Gewitter peini-gen alles Flanken zitternde Leben von einst, auf dass es, sich zurück gärend, im schrillen Sein grellen Lichts wiederfindet! Blutrinnsal dampfender Morgen, der Du aus Ufer fernen Gestaden aufsteigst über den Häuptern blank geschlagener Leiber, die, Gonaden windend in den Gasen ihren Gedankenabarten schwelen. Du erbarmst Dich nicht der paradieselosen Seelen, die sich im wegelosen Gleiten durch Schleimgassen gewundener Pforten, wie Därmen winden. Ihr kon-vulsivisches Gebaren befremdet den, der nichts weiß vom Neutronen zertrümmerten Fokus des Nun.

Über knochenkahl gesengten Wüsten heulen, grell schneidende Crescensowinde und er-barmungslos nackt ist die Kahlheit deren, die sich verloren haben. Skelettgetrocknet bis auf kahl dürre Schichten brechen blutzersetzte Humanoide fahles Licht und spiegeln sich in Zell-fetzen umkreisenden Monden. Ihr zu Hitzeblasen verdampftes Bewusstsein regrediert in vor—zeitliche galaktische Stunden, die Myriaden Ewigkeiten dauern und ouroborisch im Stundenglas des Nichts verrinnen. Da grinsen alle beinblank polierten Tode, dass selbst Gautamos Lächeln als schmierig verquollene Fratze erscheint. Sogmagischen Kräften gleich gleitet Ahnenwissen in Hadesferne und Du wirst Dich von kondensierten vakuumverpackten Licht ohne Spektren näh-ren. Selbst Asketen darben.

In dieser Prismen zertrümmerten Zeit verrinnen die Stunden spärlich und ein nie endendes Gähnen ist gleich der Weite des Alls, in dem der Feind keinen Feind mehr findet und der Freund keinen Freund. Zur Transmutation aller terrestrischen Heerscharen wird es führen, wenn sie zu Ende ist, diese ewig scheinende gebrestige Nacht. Und fackelzuckende Wesensfetzen wenden sich dann zu dem verwundeten Wisser, in den fernen Höhen besänftigten Geistes. Aber wo ist ein Nabel, dass er jähe Richtung weisen könnte zum Archipel der gesättigten Asketen? Denn die heilig zirkuläre Quadratur erstarb im Gewühl aufpeitschender Tänze gestöhnter Rhythmen, aus Mäulern triefender Wisser des Bösen.

Die Schutzwehren umwinden einander und immer noch feiern die Teufel Hochzeit in den Nie-derungen neuronaler Begierden atemloser Gehirne. Atomare Lingame schwellen in der Brodem gesättigten Halle der basiliskischen Hüter. Sie penetrieren die Perspektiven der Zeit, bis die Fluchtpunkte kollabieren im punktuellen Sein einer präadamitischen Existenz. Fahle Himmel wölben sich über der eisigen Glut geborstener Erdhüllen, um in den Sümpfen pestilenter Frevel zu versinken. Die Herzen zerschmettern an den klüftescharfen Felsen nicht mehr lebbaren Le-bens. Selbst Sirius erbleicht angesichts unserer torkelnden Sonne. Du wirst gepeitscht von den Stürmen entfesselnden Glaubens an etwas, das in den modrigen Kellern pränataler Windungen, in den tiefsten Schichten der Genesis west. Die Zeiten der Sättigung sind noch fern, die Orte unbekannt und die zerstobenen Wege nicht zu erkennen. Wie willst Du sie finden?

Fledermausschwingenbewacht dunstet der gnostische Schatz, in ewig mäandernden Ge-zeiten des Seins, in der Ferne eines endlosen Ringens, das keiner Schwerter bedarf. Ausgeblutet vom Zerfall der Atome dämmern die Seelen in den Zwischenreichen ungeahnt unbekannter Gefilde. Ihre Himmel sind nicht mehr vertraut und selbst die Abgründe unbekannt. Lasst uns in den Scherben der zerschellten Zwischenreiche, die Rudimente verlorenen Seins erkennen, da-mit unser aller froststarrer Brodem zur Spitze jener Lanze geschmiedet wird, die matte Herzen sengend durchbohrt.














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